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Symptome, Diagnose Therapie Symptome

Leitsymptome sind Müdigkeit (Fatigue), Einbusse an Kraft, Leistung und kognitiver Funktion, Haarausfall sowie eingeschränkte Thermoregulation

Eisenmangel ohne Anämie

Müdigkeit - Fatigue

Müdigkeit ist einer der häufigsten Gründe für eine Arztkonsultation. In der Differentialdiagnose müssen neben einem Eisenmangel mit oder ohne Anämie insbesondere eine Hypothyreose, eine Nebenniereninsuffizienz, ein Diabetes mellitus, ein Hyperparathyreoidismus, eine chronische Infektion, neurologische Krankheiten wie MS oder eine Depression ausgeschlossen werden. Verdon und Kollegen aus Lausanne haben in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an 144 Frauen gezeigt, dass nicht anämische Frauen mit dem Leitsymptom Müdigkeit von einer Eisensubstitution profitierten: die Fatigue nahm auf einer Skala zwischen 0 und 10 unter Eisen um 29% ab, unter Placebo lediglich um 13% (p=0.004) [1]. Ein Benefit trugen lediglich Frauen mit einem Ferritin =50 µg/l davon, wie die Autoren in einer Subgruppenanalyse nachwiesen.

In der 2014 von Herf und Kollegen publizierten Studie zeigte sich ebenfalls eine signifikante Verbesserung der Müdigkeit nach Eisensubstitution. In dieser multizentrischen, prospektiven, nicht-interventionellen Studie wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Eisencarboxymaltose  beim Einsatz in der gynäkologischen Praxisroutine geprüft. Insgesamt konnten Daten von 273 Patientinnen ausgewertet werden. In allen Subgruppen besserte sich die Gesamtheit der Symptome (Fatigue, Konzentrationsschwäche, blasse Schleimhäute, Kopfschmerz, Schlafstörungen) bei 92% der Frauen markant [14].

Leistung und Kraft

Ein Eisenmangel kann die körperliche Fitness beeinträchtigen. Verschiedene Studien der letzten Jahre kamen zum Schluss, dass die Eisensubstitution bei Eisenmangel - auch ohne Anämie - die aerobe Leistungsfähigkeit, die muskuläre Ausdauer sowie die Energieeffizienz verbessert. [2-5]

Kognitive Funktion

Bei Kindern führt ein schwerer Eisenmangel zu Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems. Eine Verbesserung durch Eisenverabreichung liess sich zumindest bei über 2-jährigen Kindern nachweisen [6]. Erwachsene mit einem Eisenmangel ohne Anämie profitieren ebenfalls von Eisen. Zwei Studien ergaben unter Eisensubstitution gegenüber Placebo eine Verbesserung der Aufmerksamkeit, des verbalen Lernens und des Gedächtnisses; die Resultate waren vor allem in der 2007 im American Journal of Clinical Nutrition publizierten Studie bei 113 Frauen zwischen 18 und 35 Jahren mit einer Eisensubstitution über 16 Wochen hoch signifikant [7,8].

Haarausfall

Bereits vor einigen Jahren wurde eine Assoziation zwischen Eisenmangel und verschiedenen Typen der Alopezie festgestellt [9]. Diese Ergebnisse haben die Autoren einer grossen Studie an über 5'000 Frauen zwischen 35 und 60 Jahren kürzlich bestätigt: Frauen mit exzessivem Haarausfall hatten signifikant häufiger ein Serumferritin < 40 µg/l als solche ohne Haarausfall [10]. Wie effektiv die Eisensubstitution als Therapie des Haarausfalls ist, kann zurzeit noch nicht abschliessend beurteilt werden. Ein Versuch mit Eisen scheint bei bestätigtem Mangel allerdings gerechtfertigt, da Experten davon ausgehen, dass die spezifische Behandlung einer Alopezie bei gleichzeitiger Therapie des Eisenmangels bessere Ansprechraten erzielt [11].

Restless Legs

Gemäss neueren Erkenntnissen besteht ein Zusammenhang zwischen der Eisenverfügbarkeit im Hirn und der Symptomatik bei Restless Legs Syndrom (RLS) [12]. Für die Empfehlung einer routinemässigen Eisentherapie bei RLS fehlt aber zurzeit die Evidenz.

Thermoregulation

Patienten mit einem Eisenmangel - und solche mit einer Eisenmangelanämie insbesondere - haben gegenüber solchen ohne Eisendefizit eine eingeschränkte Kältetoleranz. Sie reagieren auf Kälte mit einer gesteigerten Noradrenalinausschüttung und einem höheren Sauerstoffverbrauch [13].


Eisenmangelanämie

Da die Eisenmangelanämie nichts anderes als die ausgeprägte Form eines Eisenmangels ist, sind die Symptome teilweise die gleichen wie beim Eisenmangel ohne Anämie. Leitsymptome der Anämie sind:

  • Müdigkeit
  • Leistungsintoleranz
  • Dyspnoe
  • Palpitationen, Tachykardie
  • Kopfschmerzen
  • Blasse Haut/Schleimhäute (Hb < 90 g/l)
  • Unterschenkelödeme

Dazu kommen die Symptome des Eisenmangels ...

  • Schädigung epithelialer Gewebe (brüchige Nägel, Hohlnägel (Koilonychie), Mundwinkelrhagaden (Cheilosis), atrophe Glossitis, postcricoide Membran (Plummer-Vinson-Syndrom)
  • Pica (zwanghaftes Einverleiben inadäquater Mengen von Nahrungsbestandteilen oder eigentlich nicht essbarer Substanzen wie Asche, Erde, Steinstaub ...)

... plus allenfalls die Symptome der zugrunde liegenden Krankheit (Hypermenorrhö, abdominelle Beschwerden u.a.)

 

Referenzen

  1. Verdon F et al. Iron supplementation for unexplained fatigue in non-anaemic women: double blind randomised placebo controlled trial. BMJ 2003;326:1124-1126
  2. Brownlie T et al. Marginal iron deficiency without anemia impairs aerobic adaptation among previously untrained women. Am J Clin Nutr 2002;75:734-742
  3. Brownlie T et al. Tissue iron deficiency without anemia impairs adaptation in endurance capacity after aerobic training in previously untrained women. Am J Clin Nutr 2004;79:437-443
  4. Brutsaert TD et al. Iron supplementation improves progressive fatigue resistance during dynamic knee extensor exercise in iron-depleted, nonanemic women. Am J Clin Nutr 2003;77:441-448
  5. Hinton PS, Sinclair LM. Iron supplementation maintains ventilatory threshold and improves energetic efficiency in iron-deficient nonanemic athletes. Eur J Clin Nutr 2007;61:30-39
  6. McCann JC, Ames BN. An overview of evidence for a causal relation between iron deficiency during development and deficits in cognitive or behavioral function. Am J Clin Nutr 2007;85:931-945
  7. Bruner AB et al. Randomised study of cognitive effects of iron supplementation in nonanaemic iron-deficient adolescent girls. Lancet 1996;348:992-996
  8. Murray-Kolb L, Beard JL. Iron treatment normalizes cognitive functioning in young women. Am J Clin Nutr 2007;85:778-787
  9. Kantor J et al. Decreased serum ferritin is associated with alopecia in women. J Invest Dermatol 2003;121:985-988
  10. Deloche C et al. Low iron stores: a risk factor for excessive hair loss in non-menopausal women. Eur J Dermatol 2007;17:507-512
  11. Trost LB et al. The diagnosis and treatment of iron deficiency and its potential relationship to hair loss. J Am Acad Dermatol 2006;54:824-844
  12. Connor JR. Pathophysiology of restless legs syndrome: evidence for iron involvement. Curr Neurol Neurosci Rep 2008;8:162-166
  13. Martines-Torres C et al. Effect of exposure to low temperature on normal and iron-deficient subjects. Am J Physiol 1984;246:R380-R383
  14. Herfs R et al. Treatment of Iron Deficiency with or without Anaemia with Intravenous Ferric Carboxymaltose in Gynaecological Practices - A Non-Interventional Study. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2014 Jan;74(1):81-88.

 

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